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KN: 125 Jahre Humboldtschule
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Kieler Nachrichten: 125 Jahre Humboldtschule
Der Original-Artikel erschien am 8.9.2001 in den KN, signiert mit "(küp)". Er ist inhaltlich und in punkto Rechtschreibung und Grammatik unverändert, inklusive der KN-typischen Druckfehler.
Den Artikel gibt es auch zum Download als ZIP-File (474 kB) im Word 95-Format (Word 6.0).
Eine Schule wie eine Kirche |
Vor 125 Jahren eingeweiht - Zeitweilig Marineunterkunft
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Der erste Eindruck ist der einer Kirche: Kreuzrippendecken, hochaufragende Fenster, Backsteinsäulen, Neogotik so weit das Auge reicht. Massiv, repräsentativ, streng, würdevoll sollte das 1876/1877 errichtete Gebäude am Knooper Weg ganz im Sinn der Erziehungs-und Wertvorstellungen der Gründerzeit wirken. Seit fast 125 Jahren nutzt die Humboldtschule als einzige Kieler Schule kontinuierlich ein Gebäude, das für sie errichtet wurde. Kein Wunder, dass Zeit- und Kulturgeschichte der Stadt so eng mit der Geschichte der Humboldtschule verknüpft ist. |

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So wurde beispielsweise nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges am 1. August 1914 das Schulgebäude vom Militär gesperrt, um die aus allen Teilen des Deutschen Reiches eintreffenden Marinesoldaten aufzunehmen. Zeitweilig war die Schule mit 1500 Mann belegt, die in allen Klassenzimmern, auf den Fluren oder der Turnhalle auf Strohlagern untergebracht waren. Der Schulhof diente als Feldküche und Exerzierplatz. Vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs hatte ein prominenter Humboldtschüler 1912 seinen wohl bekanntesten Roman veröffentlicht: "Die Biene Maja". |
An seine alte "Penne" scheint der Schriftsteller Waldemar Bonsels (1880-1952) allerdings keine guten Erinnerungen gehabt zu haben. Jahrzehnte später beschreibt er seinen letzten Schultag vor den großen Ferien so: "Wie machtlos das rote Ungeheuer der Schule jetzt im Grünen lag. Die mit schwarzen Emailesteinen gerahmten Fenster verursachten mir eine gelinde Übelkeit, aber ich hielt stand und ließ sie gähnen und die letzte Luft von Zwang und Kinderleid in die Sommersonne atmen." |
Dass die Familie Bonsels Kiel 1896 den Rücken kehrte, scheint nach einem tragischen Unglücksfall verständlich. So berichtet der Buchautor Jürgen Plöger in seiner "Geschichte der Humboldtschule", dass am 13. April 1893 Waldemar Bonsels jüngerer Bruder Albert von dem 15-jährigen Untertertianer Max Bartling im Spiel erschossen wurde. |
Plöger berichtet aber auch von erfreulicheren Gegebenheiten. So knüpfte der spätere Schauspieler Bernhard Minetti, ebenfalls Humboldtschüler, in der Oberprima zarte Bande zu Anna Gebrandt, die er später auch heiratete. Der 1905 in Kiel geborene Sohn eines Architekten wirkte Anfang der 20er Jahre nicht nur in Theateraufführungen der Humboldtschule mit. Heimlich trat er auch unter falschem Namen "Erich Helfer" am Kieler Stadttheater auf - immer in der Angst, dass seine Eltern ihn während der Vorstellung erkennen könnten. |
Schillernde Persönlichkeiten gab es an der Humboldtschule auch unter den Schulleitern: zum Beispiel Prof. Emil Hausknecht, der der Schule von 1900 bis 1906 als "Direx" vorstand. Von 1887 bis 1890 hatte der Sprachenexperte sogar das pädagogischen Seminar an der Kaiserlich Japanischen Universität in Tokyo geleitet und dort unter anderem deutsche Bildungsideale bekannt gemacht. |
Aber Hausknecht muss auch ein Mann gewesen sein, der nicht gerade durch Bescheidenheit glänzte. 1906 griffen Hausknechts Kollegen an der Humboldtschule zu einem für die damalige Zeit unerhörten Mittel. In einer Beschwerde an die Schulbehörde geißelten sie die "Selbstherrlichkeit" ihres Chefs, schilderten die "unerträgliche Situation" und baten darum, "diesem Zustande ein Ende machen zu wollen". Einem Rauswurf kam der so harsch Attackierte zuvor. Im Oktober 1906 stellte Hausknecht einen Antrag auf vorzeitige Pensionierung aus "Krankheitsgründen", dem auch stattgegeben wurde. |
Dennoch hinterließ Hausknechts Wirken Spuren - nicht nur in Kiel. Vor allem aus Japan treffen regelmäßig Anfragen zu seiner Person an der Humboldtschule ein. Hier können Jugendliche sogar die Exotensprache Japanisch lernen, pflegt das Gymnasium intensive Kontakte zur japanischen Großstadt Kobe. So profitiert die Humboldtschule bis heute von ihrer langen Tradition - trotz Computer und Internetzugang.
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